Schiesstechnik

Welches sind die wichtigsten Trainingsmonate für den Aufbau? 

Meines Erachtens sind die Wintermonate die wichtigste Zeit für einen Aufbau, denn ab Mitte März beginnt bereits wieder die Outdoor-Saison und bald folgen die Wettkämpfe wie Gruppenmeisterschaft, Einzelwettschiessen, Mannschaftsmeisterschaft und viele Gruppen B-Schiessen etc., etc. Ein Schütze hat deshalb kaum mehr Zeit etwas zu korrigieren, ausser er nimmt eine Leistungseinbusse in Kauf.

Trainingsschwerpunkte 

Erarbeitung einer guten allgemeinen Kondition und der sauberen äusseren Stellung 

Schützen die neu beginnen oder Fehler in den Stellungen hatten, müssen in den Wintermonaten mit dem Spezialtraining (trocken) oder in Indoor-Schiessanlagen beginnen. Dies ist deshalb notwendig, weil sie sicher etwas länger experimentieren müssen.
Anatomisch sind wir Menschen fast alle verschieden gebaut. Deshalb wird es schwer sein. Stellungen von Weltmeister etc. zu kopieren. Der Schütze ist daher gezwungen, in Details die ihm eigene bequeme Stellung zu suchen, um eine gute Ruhighaltetechnik zu erarbeiten. Die lockere, saubere „äussere“ Stellung soll angestrebt werden.

Erarbeitung der inneren entspannten Stellung 

Unter einer guten inneren entspannten Stellung ist zu verstehen: Fertigkeit, nur die Muskelgruppen zu beanspruchen, die zur Aufrechterhaltung der betreffenden Stellung notwenig ist. Voraussetzung: einwandfreie äussere Stellung. Die innere Stellung erfordert vom Schützen äusserste Konzentrationsfähigkeit und lässt sich erlernen durch Trockenanschläge in einem abgedunkelten Raum ohne Ablenkungsmöglichkeiten (Musik, Fernsehen etc). Die ganze Aufmerksamkeit gilt hierbei der Vermeidung jeder unnötige Muskelbeanspruchung und der absolut ruhigen Sportgerätelage.

Erarbeiten des sauberen Abzugvorganges 

Es muss darauf geachtet werden, dass von Zeit zu Zeit (auch während der Wettkampfzeit) ein konzentriertes Abzugstraining durchgeführt wird, denn neben der Erlernung des inneren entspannten Anschlages ist die Erlernung des Abzugvorganges für den Schützen die schwierigste und zeitraubenste, aber wenn es gelingt, auch eine besonders erfolgbringende Arbeit, weil sie sich unweigerlich in beachtlich höheren Punktzahlen ausdrückt. Wir unterscheiden 4 Arten des Abziehens:

  • Abziehen ohne Stellung
  • Abziehen beim Trockentraining mit Manipulierpatrone
  • Abziehen mit scharfer Patrone im Training
  • Abziehen im Wettkampf


Punkte 1-3 ist ein physischer und Punkt 4 ein psychischer Vorgang.

Schematischer Ablauf der Schussabgabe

Erarbeiten des sauberen Nachhaltens 

Oft beobachtet man Schützen, bei denen der Abzugsvorgang und das Abziehen in einem Reflex betätigt wird. Wenn jedoch das Brechen des Schusses fast mit dem Absetzen zusammenfällt, kann es geschehen, dass gedankliche Ueberschneidungen eintreten. Das bedeutet, dass während der notwendigen Konzentration auf den sauberen Abzugsvorgang schon der gedankliche Impuls „Absetzen“ aufkommt und zu einer unbeabsichtigten und unerwünschten Reflexbewegung führen kann. Das hat mit Sicherheit einen schlechten Schuss zur Folge.

Also nachhalten – immer und lange genug nachhalten!

Erarbeiten der gleich bleibenden Reihenfolge des Bewegungsablaufes 

Beim Schiessen ist es wichtig, dass die Reihenfolge der für jeden Schuss notwendige Handhabung immer in der gleichen Reihenfolge abläuft (Automation).

Beispiel einer Trainingseinheit
  • mentale Vorbereitung am Vortag
  • aufwärmen, dehnen
  • äusserer Anschlag aufbauen; Nullpunkt einrichten
  • Trockenanschläge
  • Probeschüsse / Einschiessen
  • 10 Schuss: Konzentration auf ein Trainingsschwerpunkt
  • 10 Schuss: Konzentration auf ein zusätzlichen Trainingsschwerpunkt
  • 10er Schussbild zur Ueberprüfung des Nullpunktes (im Trainingsheft aufzeichnen)
  • Zweites 10er Schussbild mit Korrektur nach 1. Schussbild (im Trainingsheft aufzeichnen)
  • 20 Schuss Leistungskontrolle mit Einbezug der Erkenntnisse der beiden Schussbilder.
  • Abwärmen, dehnen
  • Analyse / Nachbetrachtung und Eintragungen im Trainingsheft


Quelle: ehem. Nationaltrainer Gewehr, Heinz Bolliger